Die Tafel des Schicksals - Die Geschichte -

Das Land zwischen den Strömen. Weite, die das Auge verloren umherschweifen lässt. Verwaist sind die Ruinen. Verwaist die Kanäle. Vertrocknet das Land, der ockerfarbene Lehmboden aufgerissen zu zackigen Mustern. Stürme schieben Dünen über die versunkenen Städte und begraben sie tief unter Bergen aus Sand. Die Winde singen noch immer von einer längst vergangenen, glorreichen Zeit.

Lange bevor es das Christentum oder den Islam gab und Römer und Griechen noch nicht geboren waren, blühten im fruchtbaren Schwemmland zwischen Purattum und Idiglat die Gärten und Dattelpalmenhaine. Tamarisken säumten die unzähligen Kanäle, die von den Bewohnern des Landes zur Bewässerung riesiger Getreideflächen ausgehoben wurden. Ausgedehnte Sümpfe mit einer reichen, einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt wechselten sich mit trockener Steppe und Wüstengebieten ab. Das Land ernährte einst tausende von Menschen, die in großen Städten zusammenlebten und von vielen verschiedenen Völkern abstammten.

Vor 4300 Jahren bestimmten Götter und Priesterkönige das Schicksal der Menschen. Die Erfindung der Schrift und das geschriebene Wort bewahrte für uns eine erstaunliche Geschichte über den Aufstieg und Fall des Reiches Akkad, des bisher ersten uns bekannten Imperiums der Weltgeschichte. Wir werden niemals erfahren, was damals wirklich geschah.

Meine Geschichte, die ich hier erzählen möchte, mag der Wirklichkeit nahe kommen. Die Forschung wird vielleicht zukünftig das Eine oder Andere meiner Erzählung widerlegen. Doch bis dahin habe ich das Privileg, eine Geschichte zu spinnen, die von Aufstieg und Fall, Liebe und Verrat, Hass und Hoffnung jenseits aller Vernunft handelt. In einem von Kriegen zerrissen Land, das die Kulturen der ganzen Welt geprägt hat.

Mesopotamien nennen wir heute das einst fruchtbare Schwemmland zwischen den großen Strömen Euphrat und Tigris, das ist der heutige Irak.